Ein Prachtkerl mit schlechten Manieren
(Bericht und Veröffentlichung mit der freundlichen Genehmigung von Jürgen Veit)
 
Die Tierpsychologin Maschjaneh Avduli arbeitet mit Problemhunden-Geschult werden Vierbeiner und ihre Besitzer
August 2008


 
Waiblingen.
Hunde, die nicht gehorchen, können ihre Besitzer an den Rand des Wahnsinns treiben. Wer mit seinem Tier nicht zurechtkommt, kann sich Hilfe bei der Tierpsychologin Maschjaneh Avduli holen. Die 27-Jährige versucht stets, Vierbeiner und Herrchen zu schulen.


Von Jürgen Veit


"L" ist ein Prachtkerl von einem Hund. Der große Rüde geht lammfromm neben Frauchen an der Leine, macht auf Kommando Sitz und schnappt sich den Tennisball nur, wenn er dazu aufgefordert wird. So höflich verhält sich "L"- eine Mischung aus dem jugoslawischen Hirtenhund Sarplaninac und Deutschem Schäferhund - noch nicht lange. Seit April ist er bei Nicole und Andreas P. in Waiblingen zu Hause. Das Ehepaar hat ihn aus dem Tierheim Ludwigsburg zu sich geholt, wohl wissend, dass das etwa eineinhalb Jahre alte Tier eine bewegte Vergangenheit hinter sich hat. Denn "L" stammt aus Rumänien, wo es ihm nicht sonderlich gut ergangen ist. Dort war er auf sich alleine gestellt, ehe ihn Tierschützer nach Deutschland holten und damit vor dem sicheren Ende in der Tötungsstation bewahrten.


Als "L" zu Fam. P. kam, "konnte er nichts", sagt Nicole P., "nicht Treppen laufen, nicht ins Auto springen - einfach nichts". Dafür habe er wie verrückt gebellt, sobald er im Auto mitgenommen wurde, "das macht einen echt wahnsinnig" - wer "L"´s " tiefe und laute Stimme je gehört hat, kann sich vorstellen, was im Fahrzeug los war. Obwohl Andreas und Nicole P. Erfahrung mit Hunden haben, kamen sie mit dem kräftigen und ungehorsamen Tier nicht zurecht. Sie suchten schließlich Hilfe bei der Waiblinger Tierpsychologin Maschjaneh Avduli. Hund und Frauchen gehen seit einigen Wochen bei der 27-Jährigen zur Schule. Was "L" und Nicole in der kurzen Zeit gelernt haben, kann sich sehen lassen. Die Zeiten, da der Hund beim Gassigehen seine Besitzerin an der Leine hinter sich her geschleift hat, sind endlich vorbei.


Maschjaneh Avduli hat "L"´s Defizite erkannt. "Er ist ein herzensguter Hund, aber er ist sehr verunsichert", sagt sie. Er benötige Führung und die Sicherheit, sich auf seinen Besitzer verlassen zu können. Daran mangele es vielen seiner vierbeinigen Kollegen, sagt die Waiblingerin. Oft entwickelten die Tiere dann eine sogenannte Angstaggression, gäben ihrem Trieb nach, und dann "ist vielleicht der Jogger der Leidtragende".


Wenn Hund und Herrchen nicht miteinander klarkommen, liege das meist in der fehlenden Kommunikation zwischen den beiden begründet. Die Besitzer könnten die "Beschwichtigungssignale" ihres Vierbeiners nicht deuten, "der Hund wird missverstanden". Andererseits müsse der Hund lernen, wer der Chef ist. Das verunsicherte Tier benötige Führung durch den Menschen, was jedoch keinen Widerspruch zu einer liebevollen Behandlung bedeute. Maschjaneh Avduli hält nichts von "Haudegen-Methoden". Sogenannten Starkzwang wie Strom, Schläge, Leinenruck, Krallen- oder Würgehalsband lehne sie strikt ab. Das Schlimmste, was einem Hund in ihrem Unterricht passieren könne, sei, dass er durch das laute Rasseln einer mit Steinen gefüllten Blechdose erschreckt wird. Damit soll er für die momentane Situation wachgerüttelt werden. Nicole P. ist von der ruhigen und souveränen Ausstrahlung der Tierpsychologin angetan. "Wir würden unseren "L" nicht jedem anvertrauen", betont sie. Wichtig sei vor allem, dass ihr "Traumhund" bei all dem Training seinen ihm eigenen Charakter bewahre.


Nicole P. ist überzeugt, dass sie dank der Anleitung durch die Tierpsychologin nach Abschluss der Ausbildung mit einem wohlerzogenen Hund durch Wald und Flur streifen wird. In den bisherigen zehn Übungsstunden hätten sie und "L" bereits sehr viel gelernt, und je mehr sie mit ihrem Hund übe, "desto größer wird die Bindung zu ihm". Zudem mache es ihr und ihrem Mann viel Spaß, mit dem einstigen Problemhund zu arbeiten.


Maschjaneh Avduli hat einmal mehr den Grundstein für das künftig harmonische Miteinander von Hund und Mensch gelegt. Die 27-Jährige betreibt ihr Hunde-Trainingscamp in Waiblingen seit dem vergangenen Oktober. Der Liebe wegen ist sie aus Rastatt dorthin zu ihrem Lebensgefährten Giuse V. gezogen. Tierpsychologie hat sie im zweijährigen Fernstudium studiert, wobei die Berufsbezeichnung nicht geschützt sei - im Prinzip könne sich jeder Tierpsychologe nennen, "der einen Goldfisch hat".


Ihr sei der Umgang mit Tieren bereits in die Wiege gelegt worden. Maschjaneh Avduli wuchs mit der elterlichen Araber- und Salukizucht auf, mit der Windhunddame Necky wurde sie als Zwölfjährige Europameisterin. Wenn es Probleme mit Tieren gegeben habe, sei sie um Rat gebeten worden. "Mensch, du hast doch ein Händchen dafür", habe man ihr oft bescheinigt. Und so wollte sie ihre Leidenschaft auch beruflich nutzen.


Parallel zum Trainingscamp würde sie gerne mit ihrem Partner eine Hundepension betreiben, aber bisher sei die Suche nach einem Bauernhof erfolglos geblieben.
 



Foto: Martin Stollberg